ganz langsam frisst mich diese angst auf
es kam ganz schleichend
immer wieder und wieder hab ich im letzten jahr gemerkt
wie sie kommt
mich einnimmt
einschlingt
ich habe gemerkt, dass es schlimmer wird
dass ich ganz langsam nicht mehr kann
das alles viel zu viel ist
und mein gehirn nicht hinterherkommt dass alles zu verarbeiten
ich hab alle warnsignale gesehen
und doch weitergemacht
immer weiter
du schaffst das
mach noch dies
mach noch das
kümmer dich um deine krebskranke mutter
und um all deine freunde
und um ihn
sei seine therapeutin
und beste freundin
und geliebte
und dabei vergaß ich ganz das wichtigste
mich
ich hab mich vergessen
ich hab meine probleme vergessen
meine gefühle
meine bedürfnisse
meine pausen
ich hab mich einfach vergessen
in der ecke stehen lassen
und immer weitergemacht
für alles und jeden
nur nicht für mich
ich will dieses studium unbedingt schaffen
will mir und allen anderen beweisen, dass ich es kann
aber es frisst mich auf
und ich gestehe es mir nicht ein
ich hab mir hier ein leben aufgebaut
ich mag die stadt
mag meinen kleinen (kaum vorhandenen) kreis
ich mag es, dass ich nicht so viele stunden in der uni sein muss
ich mag es, dass die menschen eine andere sprache sprechen
ich mag ihn
ich mag ihn
ich mag ihn
ich mag so vieles
und doch ist es schwieriger,
wenn kaum jemand deine muttersprache spricht
wenn die ärzte dich nicht verstehen
du keinen therapieplatz bekommst
deine mutter mit krebs im endstadium zu hause sitzt
dein vater so tut als wärst du jetzt plötzlich erwachsen und er muss nichts mehr tun
deine eltern sich nie bei dir melden
du deine freunde kaum siehst
dich in der wohnung nicht so wohl fühlst
du dich klein fühlst, jung fühlst
und dabei wolltest du nur erwachsen sein
wolltest allen zeigen dass du es kannst
wolltest deinen traum verwirklichen
und dabei ist es viel zu viel
und du hast angst, dir genau das einzugestehen
deshalb entwickelt deine psyche psychosomatische beschwerden
hypochondrie
es tut mir leid, v.
dass ich nicht vorher reagiert habe
und es tut mir leid, dass ich nicht zu 100% weiß, was ich machen soll
du willst weiter hier studieren und dieses leben leben
aber du brauchst hilfe
und zwar schnell
weil alles in dir schreit
und weint
und kämpft
und zittert
weil du nicht mehr kannst
weil du schon lange nicht mehr kannst
deshalb hüllt dich deine psyche in eine blase voller benommenheit
damit du möglichst wenig mitbekommst
möglichst wenig aushalten musst
und dich auf dich konzentrieren musst
darauf, dass dir nichts passiert
aber weißt du, ich kann das grade nicht
ich will hilfe
aber wie ?
du kümmerst dich um den therapieplatz und sprichst mit deinem psychiater
aber das alles hilft dir nicht wirklich
du brauchst jetzt radikale, schnelle und tiefgreifende hilfe
jetzt jetzt jetzt
und gleichzeitig willst du das alles hier nicht aufgeben
also was machst du bloß ?
hm ?
irgendeine idee?
bitte, liebe psyche
schick mir ein zeichen
sag mir was du willst
was du brauchst
was ich tun soll
denn ich weiß es nicht
ich weiß nur, dass ich irgendwas tun muss
bevor es mich auffrisst
und zerstört
bevor irgendwas schlimmes passiert
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